Erdbeermehltau – fruitweb Prognosemodell

Screenshot Erdbeermehltau Erklärvideo

zum Erklärvideo „Erddbeermehltau im Folientunnel“

Das fruitweb Modell zum Echten Mehltau der Erdbeere (Podosphaera aphanis) dient dazu das tägliche Infektionsrisiko dieser Pilzkrankheit anhand von Wetterdaten abzuschätzen. Das Modell ermöglicht es, Phasen mit erhöhtem Infektionsrisiko zu identifizieren und dadurch Pflanzenschutzmaßnahmen besser auf die tatsächlichen Gegebenheiten im Bestand abzustimmen.

Benötigte Wetterparameter:

  • Lufttemperatur
  • relative Luftfeuchtigkeit

Optionale Wetterparameter

  • Windgeschwindigkeit
  • Blattnässedauer

Einsatzbereich

Das Modell wurde für den Einsatz im Folientunnel bzw. Gewächshaus entwickelt. Es kann auch im Freiland eingesetzt werden. Allerdings wird der Parameter Regen nicht genutzt. Da dieser einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Echten Mehltaus der Erdbeere hat sind die Aussagen im Freiland mit Einschränkungen versehen.

Funktionsweise des Modells

Infektionsrisiko Erdbeermehltau

Infektionsbedingungen

Im Modell wird anhand der Temperatur und der relativen Luftfeuchtigkeit für jeden Tag das Infektionsrisiko berechnet (rote Linie). Je höher die rote Linie an einem Tag steigt, desto größer ist das Infektionsrisiko. Die Berechnung beginnt immer um 18 Uhr. Voraussetzung für eine Infektion ist eine relative Luftfeuchtigkeit von mindesten 60%. Je höher die relative Luftfeuchtigkeit ist, desto mehr Sporen beginnen zu keimen. Das gleiche gilt für die Temperatur. Die meisten Sporen keimen im optimalen Temperaturbereich zwischen 18 und 20°C. Die relative Luftfeuchtigkeit hat keinen Einfluss auf die Geschwindigkeit der Sporenkeimung. Diese wird auschließlich durch die Temperatur bestimmt. Das Optimum liegt auch hier bei ca. 20°C.

In der Regel verhalten sich die relative Luftfeuchtigkeit und die Temperatur in der Nacht gegenläufig. In der Regel steigt die relative Luftfeuchtigkeit zum Abend und in der Nacht an und bewegt sich damit oft in den optimalen Bereich von über 90%. Demgegenüber fällt die Lufttemperatur meist ab, was die Sporenkeimung verlangsamt. Optimale Infektionsbedingungen herrschen also, bei hoher relativer Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um die 20°C.

Neben dem täglichen Infektionsrisiko wird ein gleitender Durchschnitt über sechs Tage berechnet (blaue Linie). Durch diesen lässt sich abschätzen, wie sich das Infektionsrisiko in einem gewissen Zeitraum darstellt.

Berücksichtigung des Sporenflugs

Zu einer Infektion kann es nur kommen, wenn sich Sporen auf dem Blatt befinden und diese keimen. Ist es im Bestand bereits zu Infektionen mit Mehltau gekommen und hat sich sporulierendes Pilzgewebe gebildet, dann kann dieses bei günstigen Bedingungen erneut Sporen freisetzen. Dies geschieht insbesondere bei Temperaturen zwischen 20 und 28°C. Bei Temperaturen über 30°C und bei Temperaturen unter 15°C findet hingegen kaum Sporulation statt.

Wählt man die Einstellung „Mit Sporenflug“ – „ja“, dann wird eine relative Sporenmenge berechnet (hellbraune Fläche). Da das Modell nicht berücksichtigen kann, ob bereits sporulierendes Gewebe im Bestand vorhanden ist, bleibt die Aussagekraft dieses Parameters beschränkt.
Wählt man die Einstellung „Mit Sporenflug“ – „nein“, so wird von einer fixen Zahl von 1000 Sporen um 18 Uhr ausgegangen.

Sporenmenge ohne Sporenflug

Ebenfalls großen Einfluss auf die Sporenmenge hat die Windgeschwindigkeit. Zu einer Verbreitung der Sporen im Bestand kann es nur kommen, wenn diese durch Wind vom sporulierenden Gewebe losgelöst und dann auf andere Pflanzen geweht wird. Da die meisten Geräte zur Wetterdatenerfassung im Folientunnel über keinen Windsensor verfügen, wurde dieser Wert nicht bei der Berechnung der Sporenmenge berücksichtigt. Wenn das Gerät über einen Windsensor verfügt, dann wird die Windgeschwindigkeit jedoch angezeigt (braune Linie) und kann zu weiteren Schlussfolgerungen herangezogen werden.

Latenzzeit und Läsionen

Kommt es zu einer Infektion dann dauert es in der Regel zwischen 6 und 8 Tage bis sich der Pilz soweit entwickelt hat, dass er erneut sporulieren kann. Diese Zeit wird Latenzzeit genannt (untere graue Linie). Erreicht die Latenz den Wert 100, dann kann das Pilzgewebe neue Sporen bilden und ein neuer Infektionszyklus kann beginnen. Der Übersichtlichkeit halber startet eine neue Latenzkurve immer dann, wenn der Infektionswert (rote Linie) den Wert von 50 überschritten hat.

Latenzzeit und Größe der Läsionen

Sobald die Latenzzeit beendet ist beginnt das Pilzgewebe zu wachsen. Dies wird durch die obere grauen Linie ausgedrückt. Die Werteskala von 0 bis 3 repräsentiert den Durchmesser des sichtbaren Pilzgewebes in Milimeter. Auf diese Weise kann zurückgerechnet und der ungefähre Infektionszeitpunkt bestimmt werden.

Gesamtansicht der Grafik

Prognosemodell Erdbeermehltau